
nicht x/bliebig
Warum mache ich das alles hier?
In der ersten Hälfte der 10. Klasse besuchten wir als Klassenverband das Arbeitsamt in der
nächst größeren Kreisstadt und dort an Computern eine Berufsorientierung vorzunehmen. Mit
dem Ergebnis, dass das Arbeitsamt der Meinung ist, ich sollte wohl eine Ausbildung zum
Elektriker beginnen. Da meine Eltern ein kleines mittelständisches Unternehmen hatten und
sie der Meinung waren, dass ich in die große Stadt gehöre, um einen „anständigen“ Beruf
unter professioneller Voraussetzung zu erlernen, zog es mich 1995 mit 16 Jahren nach Berlin.
Aus der brandenburgischen Provinz in die aufstrebende neue Bundeshauptstadt. Puh. Nach
drei Jahren Berufsausbildung und erfolgreichem Abschluss kam direkt im Anschluss der
Zivildienst. Aus purer Bequemlichkeit nahm ich die erstbeste Stelle an und landete in einem
Pflegeheim in Ost-Berlin. Dies war mein erster Kontakt zu einem Sozialen Beruf. Ich lernte in
13 Monaten viel über Einfühlungsvermögen, Verantwortungsbewusstsein, Kommunikation,
Kreativität, Wahrung von Nähe und Distanz, Durchhaltevermögen und die Pflege am Ende des
Lebens. Direkt danach entschloss ich mich, nicht in meinen alten Beruf zurückzukehren,
sondern ein neues Kapitel aufzuschlagen und fing eine neue Berufsausbildung an. Nach dem
erfolgreichen Examen zum Gesundheits- und Krankenpfleger arbeitete ich in einem
Pflegeheim speziell für demenziell Erkrankte. Ich lernte viel über biographische Pflege und
konnte meine Kreativität in den Betreuungsangeboten anwenden, in dem wir viel gemeinsam
singen, basteln und malen konnten. Nach einiger Zeit merkte ich aber, dass es Zeit für eine
Veränderung wird und ich mich gern weiterentwickeln möchte. Ich wechselte in ein
Krankenhaus mit dem Schwerpunkt Geriatrie und Ganzheitliche Pflege. In diesem Haus lernte
ich interprofessionelles Arbeiten mit anderen Berufsgruppen: Logopädie, Ergotherapie,
Physiotherapie und auch Aromatherapie. Das war eine tolle Erfahrung, nicht nur für mich,
sondern auch für die Patienten. Leider war mein Arbeitsweg von über 1,5 h eine große
Herausforderung und so nahm ich nach 13 Monaten eine Stelle in einem Heimatnahen
Krankenhaus an, weil ein Umzug für mich nicht in Frage kam. Seit 2008 arbeite ich nun in
diesem Haus unter anderem in einer Intensivstation für Schwerstbrandverletzte und später in
einer interdisziplinären Intensivstation. 2016 absolvierte ich die Fachweiterbildung für
Intensivmedizin und wechselte anschließend in die Anästhesiepflege. Hier merkte ich früh,
dass mir die Arbeit mit Auszubildenden, in dem in Berlin gerade neu eingeführten
Ausbildungsberuf Anästhesietechnischen Assistenten, sehr viel Spaß macht. 2023 bekam ich
die Gelegenheit die Qualifizierung zum Praxisanleiter zu absolvieren. Die Planung und
Durchführung von Anleitungssequenzen hat seitdem einen festen Platz in meinem
Arbeitsalltag. Besonders die Kommunikation und Kooperation mit den Auszubildenden, der
Bildungseinrichtungen, Stationsleitung und anderen Berufsgruppen stellt dabei die größte
Herausforderung dar. Aus diesem Grund habe ich 2022 auch einen Podcast ins Leben
gerufen, um auf den tollen Beruf Pflege aufmerksam zu machen und anderen Menschen zu
zeigen, was Pflege alles kann. Im Oktober 2024 begann ich mit dem Studium zur Interprofessionellen Gesundheitsversorgung.
Das ist für mich der nächste Schritt in meiner persönlichen Entwicklung